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Kurzgeschichten... |
 
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Der Flug zur Oase Kala-Athar |
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Genau kann ich es nicht mehr sagen, wann ich Benjamin O'Cheesy zum ersten Mal
begegnet bin. Sicher ist aber, dass schon einige Jahrzehnte vergangen sind.
Jedenfalls saß er eines Tages neben mir im Flugzeug nach Kairo. Zwischen ihm und
mir wäre es wahrscheinlich nicht zu einem Gespräch gekommen, hätte die Stewardess
ihn nicht mit Namen angesprochen. Als ich den Namen O'Cheesy hörte, war ich sofort
sehr aufmerksam, denn damals galt er als großer, erfolgreicher Fachmann für
Ägyptologie. Ich selbst hatte seine Bücher mit sehr viel Interesse gelesen. So war
es nicht verwunderlich, dass wir uns beide angeregt über die "Alten Ägypter"
unterhielten. Dabei erzählte er mir auch von einer sehr merkwürdigen aber auch
erfolgreichen Reise zur kleinen Oasae Kala-Athar, die ganz abseits in der
südlichen Sahara lag und nur auf Spezialkarten zu entdecken war. So wie ich mich
erinnere, begann er etwa folgendermaßen:
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Mein Institut, in dem ich damals beschäftigt war, erhielt vor ein paar Jahren die
Nachricht, dass in der Oase Kala-Athar einige größere Steine mit alten
Felszeichnungen und Schriftzeichen entdeckt worden seien, deren Bedeutung nicht
bisher nicht enträtselt werden konnte. Mein Institutsleiter gab mir den Auftrag,
dort hinzufahren, alles zu kartografieren und nach Möglichkeit die Bewohner der
Oase davon zu überzeugen, dass wegen der Bedeutung möglichst wenig verändert
werden sollte. Das also war mein Auftrag. Eines Tages saß ich dann genau so wie
heute im Flugzeug nach Kairo, nur mit dem Unterschied, dass der Service usw.
nicht so weit entwickelt war. Neben mir, da wo Sie jetzt sitzen, saß ein sehr
sonderbarer Mann. Er schaute mich hin und wieder von der Seite. Ich spürte, dass
er sich mit mir beschäftigte. Aber er sagte nichts. |
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Ich hätte dies sicherlich bald vergessen, wenn nicht derselbe Mann auf dem Flug
zur Oase auch wieder neben mir gesessen hätte. Denn auf diesen Flug hatte ich
mehrere Tage warten müssen. Damals war es nicht einfach , eine Maschine für den
Flug zu solch einer kleinen Oase zu chartern. Er mußte mir sein Erstaunen über
seine Anwesenheit angesehen haben, denn er sagte mir sehr aufgeregt, er habe
während dieser Reise eine wichtige Sache zu erledigen. Er könne aber noch nicht
sagen, welcher Art sie sei. Er warte noch auf einen präzisen Auftrag. Während er
mit mir so sprach, spürte ich wie, stark ihn das alles beschäftigte, und ich
entdeckte in seinem Blick auch das bekannte Flackern, dass von Menschen ausgeht,
die von einer bestimmten Vorstellung außergewöhnlich stark gepackt sind. Aber ich
wurde bald ungewollt von diesem Mann abgelenkt, der im übrigen statt sein Gepäck
abzulegen, dieses unentwegt auf seinen Knien hielt. Es war ein alter viel
getragener Rucksack, dessen Inhalt aus Dosen zu bestehen schien. Jedenfalls waren
solche ähnlichen Abdrücke darauf zu sehen. Die Ablenkung, von der ich soeben
sprach, hatte schon bedenkliche Ursachen, denn unsere kleine, einmotorige Maschine
war in einen wie mir schien gewaltigen Sandsturm geraten. Die kleine Maschine mit
ihren 8 Insassen wurde ganz schön hin-und her geworfen, so dass die Gespräche
unter den Passagieren nach und nach ganz verstummt waren und jeder sich fester in
seinen keineswegs komfortablen Sitz drückte, um die kräftigen Bewegungen des
Flugzeugs besser ausgleichen zu können. Der Pilot, der anfangs noch beruhigende
Worte herausgebracht hatte, sagte nichts mehr. Wir konnten sehen, wie er
angestrengt einmal auf die Armaturen schaute, dann wieder suchend durch die
Scheiben in die Finsternis schaute. Der Tag mit dem hellsten Sonnenschein war nach
und nach zur dunklen Nacht geworden. |
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Mein Nachbar schaute ängstlich nach vorne und dann nach hinten und immer wieder
befühlte er seinen Rucksack und zog ihn noch fester an sich, als befürchtete er,
dass er ihn verlieren könnte. Das war schon recht eigenartig, denn es schien,
dass ihn noch zusätzlich Angst befiel. Die Maschine wurde wieder hoch gerissen,
der Sand prasselte gegen die Scheiben, man sah ihn schemenhaft blitzschnell an
den Scheiben vorbeihuschen. Im Flugzeug lag bleierne Stille über allen Personen.
Es waren noch drei Frauen dabei, die plötzlich aufschrien, als für einen Moment
die Lichter verlöschten. Mein Nachbar atmete tief und er sprach leise. "O,Gott,
das darf nicht kommen. Das wäre furchtbar." |
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Der Pilot, sprach nun ununterbrochen in sein Funkgerät und gab unsere
wahrscheinliche Position durch. Die Instrumente spielten verrückt. "Ich kann
keine verbindlichen Positionszahlen nennen. Wahrscheinlich ganz in der Nähe von
Kala-Athar. Aber durch den Sand sind keine Lichter zu erkennen. Ich kann die
Positionslichter der kleinen Rollbahn nicht erkennen. Eigentlich müssten wir
diese schon erreicht haben." Der Motor lief nicht mehr rund. Das Flugzeug sackte
nach unten, fing sich aber wieder, der Motor heulte auf. Der Pilot sprach ruhig.
"Wir sind schon fast in Bodennähe. Halten Sie sich fest an. Die Gurte bitte
nachziehen." In diesem Moment setzte der Motor aus. Ein Aufschrei von einer Frau.
"Jesus steh uns bei!" und dann ging ein fürchterlicher Ruck durch die Maschine,
sie hatte offensichtlich mit dem Heck schon den Boden berührt. Der Motor heulte
plötzlich wieder auf, die Maschine hob sich und schlug dann auf. Ein Bersten und
Krachen, das Licht verlöschte. Durch die zerborstenen Scheiben trieb der Sturm
große Sandmengen ins Innere. Ein Stöhnen und Schreien, dann ein Wimmern und
Schmerzenslaute erfüllten das Innere. Es wurde immer ruhiger. Von hinten hörte
man ein Gebet, und diese Stimme fuhr fort: "Wir wollen dankbar sein, dass wir
unten sind. Wir können nichts machen als den Sturm abzuwarten. Drücken Sie Ihr
Gepäck in die leeren Fenster." Mein Nachbar war merkwürdig still, er bewegte sich
nicht. Ich fühlte seine Arme; sie hingen schlaff nach unten. Ich fühlte sein
Gesicht, es war feucht. Es war wohl Blut. Ich stieß ihn an; sein Kopf sackte zur
Seite. Er war tot. |
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Die Stunden gingen dahin . Der Sturm hatte sich gelegt. Es war inzwischen Nacht
geworden. Ein schlimmes Gefühl, neben einem Toten zu sitzen. Der Rucksack lag
nun zwischen unseren Füßen. Was war wohl aus unserem Piloten geworden.
Hoffentlich war er nur bewusstlos. Er sagte nichts und er bewegte sich auch
nicht. Sein Kopf war nach vorn auf die Instrumente gefallen. Er musste zu sich
kommen. Ich zwängte mich durch verbogene Rohre zwischen den Sitzen nach vorn.
Ich hatte große Schmerzen im Rücken. Er atmete und stöhnte leise und seine Hände
umfassten jetzt den Steuerknüppel und dann hob er den Kopf . Er brauchte einige
Zeit, um die Situation zu erfassen. Er stammelte: "Nur ruhig bleiben. Hoffentlich
ist die Funkanlage noch zu gebrauchen." Der Mann war zu bewundern. Er schaltete
und bekam offensichtlich Kontakt zur Bodenstation des Flughafens. Er sprach lange
und aufgeregt. Offensichtlich hatte er Kontakt. Er sprach in fließendem Englisch
und gab seine Vermutung über die Lage der Absturzstelle durch. Inzwischen war
ganz schnell der Morgen strahlend über die Wüste hereingefallen. Die Verletzungen
waren allgemein nicht schlimm. Mein Nachbar hatte wohl einen Herzschlag bekommen.
Viele Stunden vergingen, und eine weitere Nacht saßen wir in unseren Sitzen. Der
Durst stellte sich ein. Wir waren aber in der Nähe unserer angestrebten Oase und
nach einem weiteren Tag kamen viele Kamele mit vielen Beduinen, die sofort an die
Öffnung des Flugzeugs von außen gingen. Nach und nach waren wir alle nach draußen
geholt worden. Der Tote lag neben der Luke. Ich nahm ihm seine Brieftasche ab und
legte sie in eine der aufgenähten Taschen des Rucksacks, der ebenfalls mit den
anderen Gepäckstücken nach draußen geworfen worden war. |
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Der Tote wurde im Wüstensand beigesetzt. Die 8 Personen standen im Halbkreis um
das Grab. Der Pilot sprach einige Worte und alle sprachen ein Gebet. So gut es
möglich war nahm jeder sein Gepäck und, wir wurde nun zu zweit auf ein Kamel
gesetzt. Den Rucksack hatte ich an mich genommen. In einem zweistündigen Marsch
auf schwankenden Kamelrücken erreichten wir die Oase, die wir schon von weitem
sehen konnten. Es waren Hunderte von Palmen. Endlich Schatten. Mehrere kleine
Seen lagen wie Edelsteine vor uns. Einfache Behausungen aus Holz und Palmzweigen
boten uns einfache und saubere Unterkunft. Jetzt hofften wir alle, dass bald ein
Flugzeug wieder die kleine Oase anfliegen würde. Per Funk war der Absturz nach
Kairo gemeldet worden. Die Fluggesellschaft musste nun tätig werden. Die Oase
wurde von mehreren Familien bewohnt. Ihr Reichtum bestand neben dem Wasser aus
etwa 40 Kamelen, von denen uns einige eben gerettet hatten. Sie gehörten einzelnen
Familien, von denen die Familie Akba Tale wohl die bestimmende und größte war.
Muka Bao war das Familienoberhaupt und hatte in der Oase wohl die Führungsrolle.
Er war es auch, der mich in leidlich gutem Englisch begrüßte. Er führte mich in
sein Haus und bot mir eine Unterkunft an, die ich dankend annahm. Meinen kleinen
Koffer und den Rucksack verstauten wir in dem kleinen Raum, der mir zur Verfügung
stand. Dann hörte ich Überraschendes von ihm. Der Tote aus dem Flugzeug, an dessen
Beisetzung er in einiger Entfernung beigewohnt hatte, war ihm bekannt. Er war
mehrmals in der kleinen Oase gewesen, zuletzt noch vor einigen Wochen, und immer
hatte er sich mit der großen Säule beschäftigt. Immer hatte er die geheimnisvollen
Zeichen mit denen in seinen Unterlagen verglichen und schien wohl auch zu einer
Erkenntnis gekommen zu sein, was ihn so glücklich gemacht hatte, dass er beim
abendlichen Mahl jedem Mitglied einen Dollarschein in die Hand drückte. Und dann
erzählte Muka Bao, dass er ihm einen großen Geldbetrag versprochen hatte, wenn er
ihm beim Vergraben oder besser Verstecken der Säule im Sand am Rande der Oase mit
seinen Männern helfen würde. Und das hätte beim jetzigen Aufenthalt geschehen
sollen. Aber nun war er tot. Muka sah mich lauernd und fragend an und erwartete
wohl, dass ich ihm ein ähnliches Angebot machen würde. Ich bedeutete ihm, dass
wir bald unser Gespräch fortsetzen müssten. Zuerst musste ich nun den Rucksack
untersuchen. Der könnte mir sicher Aufschluss über diese geheimnisvollen
Machenschaften geben. |
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Ich ging also in meine bescheidene Behausung zurück und zerrte den Rucksack hervor
und öffnete ihn und holte zwei Gefäße von zylindrischer Form heraus. Sie sahen aus
wie Konservendosen, nur doppelt so hoch. Eine schwerere und eine leichte. Beide
aber ohne Aufschrift. Was sollte man nun damit anfangen? Vielleicht konnte ich in
seiner Brieftasche die Lösung finden. Da fand ich zunächst belanglose Papiere wie
eine Hotelrechnung aus Kairo und seinen Flugschein, mit einem Rückflug, der schon
in den nächsten Tagen stattfinden sollte. Aber irgendwie ahnte ich, dass da noch
mehr verborgen sein müsste. So war es. Eine hintere Naht war mit einem Faden von
anderer Farbe vernäht wie die übrigen Nähte. Schnell hatte ich sie mit einem
Messer aufgetrennt und dann kam eine Fotografie zum Vorschein. Sie zeigte mich.
Mich in voller Größe. Sie musste ohne mein Wissen gemacht worden sein.
Wahrscheinlich in London. Zwischen 100 Pfund-Noten zog ich eine weiteren Zettel
hervor. Auf dem entzifferte ich die Regie meines Todes. Darum der bohrende Blick,
mit dem er mich betrachtet hatte, darum der scheinbare Zufall, dass wir in Kairo
wieder in derselben Maschine zur Oase saßen. Ich wurde mehrmals mit X bezeichnet.
Auftraggeber offenbar ein Mensch, der nur einfach mit Pro. bezeichnet wurde. Oder
einfach mit P. Vielleicht Professor. Ein Konkurrenzinstitut? Wer weiß! In wenigen
Tagen hatte ich meine Arbeit erledigt. Im Flugzeug befühlte ich meinen Körper und
stellte dankbar seine Unversehrtheit fest. Die leichtere Dose sollte ein leicht
sich verflüchtigendes Pulver enthalten, welches beim Einatmen zur völligen
Bewusstlosigkeit führen sollte. Die andere, schwerere Dose sollte offenbar meinen
Tod herbeiführen. Wie? Das war auf dem Zettel nicht mehr zu entziffern. Ich
betrachtete den Rucksack, der vor meinen Füßen stand. Im Leinen zeichneten sich
die runden Umrisse der Dosen ab. Wie sollte ich das dem Zoll in Kairo erklären.
Ich fühlte, dass dort noch einige schlimme Schwierigkeiten auf mich warteten.
Einfach wegwerfen? Das war wohl nicht zu verantworten. |
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